Dieses Kind mit seinem naiven Blick auf das Leben war der Kompass, der ihnen zeigte, wie sehr sie von dem abwichen, was sie wussten, aber nicht wissen wollten.
Leo N. Tolstoi

 

Etwas, was bisher in Deutschland so nicht erlaubt war, bestimmt nun den Alltag vieler Familien: Das Homeschooling.

So sehr manche Eltern früher neidisch auf unsere Nachbarländer oder auf andere Kontinente blickten, so sehr stehen viele Elternhäuser jetzt am Rande ihrer Kräfte. Wie soll dies alles unter einen Hut gebracht werden? Die eigene Arbeit, die Betreuung kleinerer Kinder, der Haushalt, das Privatleben und der Unterricht bzw. die Begleitung des Online-Unterrichts für die älteren Kinder.

Für viele Eltern, die in einer staatlichen Schule keinen Ort für ihre Kinder sehen, ist die Waldorfschule eine gangbare Alternative. Waldorfschule bedeutet Erziehung zur Freiheit, bedeutet Schule mit Hand, Herz und Kopf. Dieser Tage scheint es vor allem der Kopf zu sein, der angesprochen wird. Digitale Medien, die in der Waldorfschule erst ab der 7./8. Klasse auf dem Lehrplan stehen, rücken in den Vordergrund.

Viele Waldorfschulen bemühen sich, den Kindern der Unter- und Mittelstufe Aufgaben zu senden, die diese eigenständig lösen und korrigieren können. Dies umgeht die zunehmende Digitalisierung, stellt aber Eltern oft vor eine ungeheure Herausforderung.

Plötzlich müssen sie zu FachlehrerInnen werden, müssen Schulstruktur schaffen, Kinder motivieren und Raum und Zeit einräumen, der und die oft nicht gegeben sind. Der Anspruch dahinter ist meist, dass die Kinder den Anschluss nicht verlieren sollen, dass es ja eine Welt nach Corona geben wird und dann die Abschlüsse geschafft werden müssen.

Lernen geschieht vor allem über Beziehung. Dies macht das Unterrichten für viele LehrerInnen nun so schwer. Für Eltern bedeutet die Übernahme der neuen Rolle oft ein Belastung der Beziehung zu ihren Kindern. War früher die Begleitung der Hausaufgaben für viele schon eine Herausforderung, ist das Homeschooling nun eine viel extremere Form.

Ein Vorteil, den es sicher hat, ist, dass der Lehrberuf nun eine ganz neue Art der Achtung findet und LehrerInnen gesellschaftlich eine andere Wertung erhalten. Für SchülerInnen, die es vorziehen, selbstständig zu arbeiten, birgt das Homeschooling auch viele neue Möglichkeiten und so manches Kind beschäftigt sich auf einmal gern und viel fokussierter mit dem Unterrichtsstoff. Aber gerade hier liegt auch eine Gefahr des Homeschoolings begründet. Die Schere zwischen den leistungsstarken und leistungsschwachen SchülerInnen kann sich vergrößern. Ein Vorteil der Schulpflicht ist es, dass Kinder aus den verschiedensten Bildungs- und kulturellen Hintergründen gemeinsam regelmäßig zusammen unterrichtet werden. Das ermöglicht auch soziale Interaktion.

Rhythmischer Teil des Hauptunterrichts, Tafelbilder, die wirken, Monatsfeiern, Theaterspiele, Eurythmie und das Lernen und Sein mit vielen – dies alles können die Elternhäuser gar nicht bieten, gar nicht leisten. Die Frage ist, müssen sie das überhaupt? Müssen Eltern den Anspruch an sich erheben, ihre Kinder so zu beschulen, dass es beinah ist wie sonst?

Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen.

Rudolf Steiner

Wir leben gerade in Umständen, in einer Zeit, in der von uns allen viel abverlangt wird. Woher nehmen wir die Kraft, lebensfroh, kreativ und mutig zu bleiben? In erster Linie sicher nicht aus den Unterrichtsinhalten wie Mathe, Deutsch und Fremdsprachen. Vielmehr aus Herzenskräften und Beziehungen. Vielleicht sollten wir darauf den Schwerpunkt legen, unsere Beziehungen zu stärken, wertvolle gemeinsame Zeit zu erleben, Dinge zu tun, die unser Herz erwärmen und stärken. Dazu gehört vielleicht, den Anspruch, dass alles so weitergehen soll, wie es immer war, beiseite zu lassen und nach neuen Wegen und Konzepten zusammen mit den Kindern, Schulen und LehrerInnen zu suchen. Vielleicht mit der Aussage von Rudolf Steiner in Herz und Sinn, der nicht nur auf die Kinder, sondern auch auf uns und diese Situation Bedeutung haben kann.

Natürlich ändert das nicht wirklich etwas an der Überforderungssituation, die dadurch entsteht, dass viele nun so vielem gerecht werden müssen. Es hilft jedoch vielleicht dabei, die Dinge etwas entspannter anzugehen, mehr Aufmerksamkeit auf die Beziehungspflege zu unseren Kindern als auf den Lerninhalt zu legen.

Eine schöne Idee hatte der Waldow Verlag. Er hat für Eltern kreative Ideen fürs Homeschooling bereitgestellt.

Wir im Waldorfshop bieten ein Homeschooling-Paket an und vielseitiges Spiel- und Bewegungsmaterial. Zudem bieten wir in unserem Newsletter, hier auf dem Blog, bei Instagram und Facebook sowie auf Youtube viele Anregungen, den Alltag mit Kindern zu gestalten.

Wie erlebt ihr gerade euren Alltag? Welche Momente überfordern euch, welche erlebt ihr als Bereicherung? Was wünscht ihr an Unterstützung von PädagogInnen, von uns?

Wir wünschen euch viel Kraft, viel Mut und viel Liebe in diesen Tagen!

Euer Team vom Waldorfshop

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