Licht im Dunkeln,

Licht in mir,

Licht durch mich

Auf Erden hier.

Am 11. November feiern wir den St. Martinstag. St. Martin wurde um 316 in Savaria, damals im römischen Reich, heute in Ungarn gelegen, geboren. Da sein Vater ein römischer Offizier war, musste Martin mit 15 Jahren ebenfalls in den Militärdienst eintreten. In diese Zeit fällt die Geschichte um den Bettler und den geteilten Mantel. Nach diesem Erlebnis ließ Martin sich taufen, wurde erst Priester und später dann der Bischof von Tours. Er starb im Alter von 81 Jahren, am 8. November 397. Seine Beerdigung fand am 11. November unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt.

St. Martin – das Fest des Mitgefühls

Im Blogbeitrag Mutig in Die Welt – Michaeli! wurde schon beschrieben, wie die drei Feste Michaeli, St. Martin und St. Nikolaus uns die Möglichkeit bieten, in uns Seelenqualitäten erwachen und wachsen zu lassen, die es uns in rechter Weise ermöglichen, dem Wunder der Weihenacht gegenüber zu treten. Dabei gehört zu St. Martin das Mitgefühl.

„Zum Mitleiden genügt ein Mensch; zur Mitfreude gehört ein Engel“

Jean Paul

Mitgefühl entfaltet sich zwischen Mitleid, durch welches man Leid, Unlust, Schmerz und Trauer miterleben kann und Mitfreude, welche sich an der Lust und der Freude anderer Wesen entzündet. Beides ist in unserer Zeit dringend nötig. Rudolf Steiner beschreibt Mitgefühl mit diesen Worten:

„Aber das wirklich Moralische, das an der menschlichen Individualität eigentlich haftet, in ihr lebt, ist schon so beschaffen, daß das Gute von jenem Interesse kommt, das wir an dem anderen Menschen haben; von jenem Interesse, das wir dadurch gewinnen können, daß wir das, was andere fühlen und empfinden, als unser Eigenes fühlen und empfinden können, während das Unmoralische im Ursprünglichen etwas ist, wo der Mensch sich verschließt, wo er nicht mitempfindet, was andere Menschen empfinden.“ (Rudolf Steiner – GA 221 – Erdenwissen und Himmelserkenntnis)

Hier möchte ich einige Gedanken zum Mitleid mit euch teilen. Dass es uns auch oft so schwer fällt, uns neidlos, frei und offen mit anderen zu freuen, ist sicher einen eigenen Blogbeitrag wert.

St. Martin reitet an dem Bettler vorbei, erkennt und fühlt sein Leid und teilt seinen Mantel mit ihm. Wir haben unzählige Möglichkeiten in unserem Alltag, ähnlich zu handeln: dem Bettler Kleingeld oder Essen zu geben, unsere abgelegten Kleider zu spenden, Organisationen zu unterstützen, die sich um benachteiligte Menschen oder um das Wohlergehen von Tieren und Umwelt kümmern. Dies sind Dinge, die wir quasi vor unserer Haustür tun können. Doch reicht dies in einer Zeit, in der Globalisierung derart fortgeschritten ist. Das Leid in der Welt scheint schier unfassbar und kann schnell zu Resignation führen: „Was soll ich denn da tun können?“. In der Anthroposophie wird dem Denken, sofern es sich um schöpferische Gedanken, Weltgedanken, handelt, große Wirkungskraft beigemessen. Hier ergibt sich die Möglichkeit durch die Wandlung des eigenen Seins, etwas Gutes für die Welt zu tun und Leid zu mildern. Fühle ich in mir das Leid und den Schmerz der Lebewesen und lasse mich davon nicht überrollen, sondern nehme diese Liebeskraft in meine Gedanken und mein ganz alltägliches Tun, dann ändert sich mein Bewusstsein und mein Sein. Auf einer nicht materiellen Ebene kann ich so mitwirken an der Wandlung der Welt, kann Impulsgeber für andere Menschen sein und mich nicht nur als Individuum oder zu meinen kleinen Kreisen dazugehörig fühlen, sondern als Teil der ganzen Menschheit, als Schicksalsgemeinschaft. Dazu Rudolf Steiner:

„Gut denken heißt im Grunde genommen, sich in andere Menschen hineinversetzen können, böse denken heißt, sich in andere Menschen nicht hineinversetzen können. Das kann dann zu Gesetzen werden, zu konventionellen Regeln, zu Dingen, über die man sich geniert oder nicht geniert. Dann kann das, was eigentlich ein Egoistisches ist, sehr zurückgedrängt werden unter der Konvention. Aber es ist im Grunde genommen für die moralische Bewertung doch nicht dasjenige maßgebend, was der Mensch tut, sondern man muß tiefer in den menschlichen Charakter, in die menschliche Natur hineinschauen, um den eigentlichen moralischen Wert des Menschen beurteilen zu können.“ (Rudolf Steiner – GA 221 – Erdenwissen und Himmelserkenntnis)

In diesem Sinne können wir als Eltern und Pädagoginnen im Waldorfkindergarten, in der Waldorfschule oder in der Familie mit den Kindern zum St. Martinsfest mit Laternen durch die Strassen ziehen. Wir können diejenigen sein, die ein Licht in uns entzünden, sinnbildlich mit der Laterne dargestellt. Dieses Licht tragen wir in die Dunkelheit der Welt und sind somit Mitgestalter unserer aller Zukunft.

„Licht im Dunkel leuchtet hell

findest du des Lichtes Quell

Musst es nicht nur finden

Sondern selbst entzünden.“

(aus Aliyeh – die Schwester der Wölfe von Georg Dreißig)

Gegenüber den Kindern kann es nun nicht darum gehen, moralische Erklärungen zu geben, sondern sie durch unser Sein, Denken und Wirken nachahmend erleben zu lassen, was es bedeutet, Mitgefühl zu leben. Feste und Rituale, wie das Schmücken des Jahreszeitentisches und eben all die vielen Traditionen um St. Martin herum, bieten hier einen Weg, Mitgefühl bei den Kindern nicht als Gedankengebäude, sondern als tiefes Empfinden entstehen zu lassen.

St. Martin im Waldorfshop

St. Martin bedeutet Laternen basteln! Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt und wunderschön leuchten die Laternen und die Augen der Kinder, wenn wir Lieder singend durch die Straßen ziehen!

Alles, was es braucht zur Fest-Gestaltung findet ihr bei uns im Waldorfshop.

Für das Basteln wunderschöner Laternen:

Wunderschöne Postkarten für die Gestaltung des Jahreszeitentisches im Herbst und zur Fest-Zeit:

Wir ihr eine wunderschön leuchtende Laterne mit Fünfsternen, wie sie auch häufig im Waldorfkindergarten gemacht wird, selbst basteln könnt, zeigt euch Gertrud aus dem Waldorfshop auf unserem YouTube Kanal!

Wir wünschen euch nun, trotz aller Beschränkungen in dieser Zeit, wundervolle St. Martins-Feiern und erleuchtende Laternenumzüge!

Euer Team vom Waldorfshop

 

 

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