Mit dem Fest des Heiligen Nikolaus begehen wir nun das dritte Jahresfest, welches uns zu Weihnachten hinführt. In den Beiträgen Mutig in die Welt – Michaeli! und In Liebe zur Welt – St. Martin! haben wir dazu ja schon die Hintergründe beschrieben.

Die drei Feste Michaeli, St. Martin und Nikolaus führen uns auf Weihnachten zu, bieten die Möglichkeit, in uns Seelenqualitäten erwachen und wachsen zu lassen, die es uns in rechter Weise ermöglichen, dem Wunder der Weihenacht gegenüber zu treten:

Wollen – Fühlen – Denken

Mut – Mitgefühl – Gewissen

Michaeli – St. Martin – Nikolaus

Nun steht also bei Nikolaus als Seelentätigkeit das Denken und als Seelenqualität das Gewissen im Mittelpunkt des Festes.

Hier spiegelt sich auch, der in unserer Zeit doch auch manchmal merkwürdig anmutende Brauch, der Frage des St. Nikolaus nach dem Bravsein der Kinder und die Angst vor der Rute im Stiefel. Wird dieser Brauch quasi als Strafe benutzt oder zu Bemessung der Anpassungsleistung der Kinder an geltende Gesellschaftsregeln, wird an dem, was dieses Fest uns eigentlich Wesenhaftes bieten kann, vorbei gedacht, gefühlt und gehandelt!

In GA 26 sagt Rudolf Steiner:

Gedächtnisbildung spielt sich in der Nerven-Sinnesorganisation ab; Gewissensbildung spielt sich als rein seelisch-geistiger Vorgang ab, aber in der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation. Zwischen beiden liegt die rhythmische Organisation. Diese ist nach zwei Seiten hin polarisch in ihrer Wirksamkeit ausgebildet. Sie ist als Atmungsrhythmus in inniger Beziehung zur Sinneswahrnehmung und zum Denken. In dem Lungen-Atmen ist der Vorgang am gröbsten; er verfeinert sich und wird als verfeinertes Atmen sinnliches Wahrnehmen und Denken. Was noch dem Atmen ganz nahesteht, aber ein Atmen durch die Sinnes-Organe, nicht durch die Lungen ist, das ist das sinnliche Wahrnehmen. Was dem Lungen-Atmen schon ferner ist und durch die Denkorganisation gestützt wird, das ist Vorstellen, Denken; und was schon nach dem Rhythmus der Blutzirkulation hinübergrenzt, schon ein innerliches Atmen ist, das mit der Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation sich verbindet, das offenbart sich in der Phantasie-Tätigkeit. Diese reicht dann seelisch in die Willens Sphäre, wie der Zirkulationsrhythmus in die Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation reicht.

Hier wird beschrieben, wie innig Wollen, Fühlen und Denken miteinander verbunden sind und wie der Atmungsrhythmus der verbindende Part ist.

Gewissen ist das intuitiv sichere Wissen um den moralischen Wert einer Tat. Hier findet sich das Wissen wieder, welches in dem Wort Gewissen enthalten ist. Das Denken muss wohl ein anderes sein, als jenes, welches wir im Alltag kennen und nutzen.

Rudolf Steiner sagt dazu in GA 108:

Wer das richtige Gefühl erlangen will gegenüber dem Denken, der muß sich sagen: Wenn ich mir Gedanken machen kann über die Dinge, wenn ich durch Gedanken etwas ergründen kann über die Dinge, so müssen die Gedanken erst darinnen sein in den Dingen. Die Dinge müssen nach den Gedanken aufgebaut sein, nur dann kann ich die Gedanken auch herausholen aus den Dingen.

Und in seinem Aufsatz über „Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft“(GA 34):

Das, was man Gewissen nennt, ist nichts anderes als das Ergebnis der Arbeit des Ich an dem Lebensleib durch eine Reihe von Verkörperungen hindurch. Wenn der Mensch einsieht, daß er dies oder jenes nicht tun soll, und wenn durch diese Einsicht ein so starker Eindruck auf ihn gemacht wird, daß sich dieser bis in seinen Ätherleib fortpflanzt, so entsteht eben das Gewissen.

In dem Büchlein „Nikolaus-Legenden“ von Martin Sandkühler lässt sich lesen:

Nikolaus hat aber nicht als „Kinderheiliger“ seinen Eingang in die Herzen der Menschen gefunden, sondern ganz allgemein als Helfender – ein Helfer, der mit Mut und Geschick, mit Überzeugung und Güte, oft auch mit Strenge immer dann einschritt, wenn sich Notlagen irgendwelcher Art ergaben.

Wir sehen, wie in der Figur des Nikolaus die Seiten der Feste Michaeli und St. Martin aufgegriffen werden. Aber hinzu kommt noch das Geschick, die Überzeugung und die Strenge. Alles Eigenschaften, die auf dem Denken, auf Erkenntnis und Wissen beruhen.

Die Beschäftigung mit diesem Jahresfest ermöglicht uns, ein tieferes Verstehen und Erfühlen und schließlich auch ein verändertes Handeln hinsichtlich unseren Denkens und der Entwicklung von Gewissen.

So können wir intuitiv erkennen, welche Situation was von uns fordert, was wir in diesem oder jenem Augenblick der Welt und den Menschen um uns geben können.

Dies waren einige Gedankenanregungen zu einem, ja sogar mehreren umfassenden, tiefgreifenden Themen.

Gerne möchten wir uns in den Kommentaren mit euch austauschen, darüber, was für euch das Fest des Nikolaus bedeutet.

Habt einen wunderschönen 2. Advent und ein erkenntnisreiches Niklaus-Fest!

Euer Team vom Waldorfshop

 

Inspirationen für die Gestaltung der Adventszeit findet ihr in unserem Shop.

Einen Ausschnitt aus dem Buch „Nikolaus-Legenden“ könnt ihr euch auf unserem YouTube Kanal Waldorfshop anhören!

 

 

Beitragsbild: Postkarte „Nikolaus“ von Ruth Elsässer

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