Ich habe den MENSCHEN gesehn in seiner tiefsten Gestalt,
ich kenne die Welt bis auf den Grundgehalt.

Ich weiß, daß Liebe, Liebe ihr tiefster Sinn,
und daß ich da, um immer mehr zu lieben, bin.

Ich breite die Arme aus, wie ER getan,
ich möchte die ganze Welt, wie ER, umfahn.

Christian Morgenstern

Zu Ostern hin werden die Tage nun deutlich spürbar länger, das so lang vermisste Licht scheint nun schon morgens klar und hell zu unseren Fenster herein. Die Sonne wärmt wieder, die Blumen beginnen zu blühen, die Knospen an den Ästen entfalten sich. Die Tiere sind wieder zahlreicher unterwegs und der erste Nachwuchs wird geboren. Was tot erschien, offenbart sich nun im Lebendigen.

In unseren Blogbeiträgen „Ostern Teil I – Frühling – Kontemplation – und die Himmelsuhr„, Ostern Teil II – Österliche Vorbereitungen mit Kindern“ und „Ostern Teil III – Das Urbild Ei und wie man ein Osternest aus Weidenstöcken baut“ ging es vertieft um die Möglichkeiten, dieses besondere Fest mit Kindern zu gestalten.

In diesem Beitrag teilen wir nun mit euch einige der anthroposophischen Hintergründe von Ostern und dem Mysterium von Golgatha.

Was tot erschien, offenbart sich im Lebendigen – das Mysterium von Golgatha

Zur Osterzeit haben wir in jedem Jahr die Möglichkeit, das Mysterium von Golgatha – Tod und Auferstehung Christi – neu zu erfahren.

Wenn das Frühjahr beginnt, wird das Geistig-Seelische der Erde, welches mit dem Herbst in einen tiefen Einatmungsprozess ging, wieder ausgeatmet. Die Elementarwesen steigen nun aus den Erdentiefen empor. Dies führt zu bestimmten Wirkungsprozessen in der Erde, von denen sich ahrimanische und luziferische Wesenheiten angezogen fühlen.

Ahriman und Luzifer werden als die Kräfte des Bösen beschrieben. Dabei wird in der anthroposophischen Geisteswissenschaft nicht davon ausgegangen, dass das Böse ein Gegensatz des Guten ist. Zum Guten gibt es keinen Gegensatz. Der Gegensatz des einen Bösen ist das andere Böse – Luzifer und Ahriman. Dabei wird Streben und Erlösung von Ahriman in den Mysteriendramen (GA 14) von Rudolf Steiner so beschrieben:

Er strebt das Menschendenken zu verwirren,
Weil er in ihm die Quellen seiner Leiden
Durch einen altvererbten Irrtum sucht.
Er weiß noch nicht, daß ihm Erlösung nur
In Zukunft werden kann, wenn er sein Wesen
Im Spiegel dieses Denkens wiederfindet.

Während die ahrimanischen Wesenheiten uns in eine immer stärkere Vertiefung in die Materie und in alles Technische drängen wollen, ziehen die luziferischen den Menschen in einen Entrückungszustand. Zur Erlösung Luzifers äußert sich Rudolf Steiner in GA 266c:

„Die Erlösung des Luzifer geschieht durch die Liebe, durch die höhere Liebe, welche frei von Egoismus ist.“ 

Die Geschehnisse von Golgatha haben dem Menschen, vereinfacht gesagt, die Freiheit geschenkt. Was tot scheint, kann nun dennoch im Lebendigen sein. In der Freiheit kann ich zwischen den Kräften des Bösen aufrecht im Guten stehen.

In seiner Oster-Imagination schildert Rudolf Steiner, wie sich aus den „irdisch-kosmischen Geschehen heraus das Bild des Christus formt, der zwischen den Widersachermächten Luzifer und Ahriman steht und beide im Gleichgewicht hält.“

In GA 195 ist dazu zu lesen:

„Die Menschen der Gegenwart haben es sehr notwendig, Christus mitten hineinzustellen zwischen Ahriman und Luzifer. Christus-Kraft muß uns durchdringen. Aber wir müssen immer als Menschen das Gleichgewicht suchen zwischen demjenigen, was gewissermaßen schwärmerisch-mystisch über uns hinaus will, und dem, was uns materialistisch-verstandesmäßig, philiströs-schwer zur Erde herunterziehen will. In jedem Augenblick müssen wir das Gleichgewicht suchen zwischen demjenigen, wodurch wir luziferisch hinauferhoben werden und demjenigen, wodurch wir ahrimanisch hinunterstreben wollen, aber in dem Suchen dieses Gleichgewichtes liegt der Christus. Und wenn wir uns bestreben, dieses Gleichgewicht zu suchen, dann allein können wir den Christus finden.“

Künstlerisch umgesetzt wurde dies von Rudolf Steiner in der Skulptur des Menschheitsrepräsentanten.

Ganz in sich ruhend steht hier eine Figur in der Mitte, den einen Arm nach oben, den anderen nach unten weisend. Die Grundgeste der Figur ist nicht Kampf, Aggressivität oder Angst. Ruhe, Frieden und Liebe strahlt sie aus.

Es kann nicht darum gehen, die bösen Mächte, die in unserer Welt wirken, zu bekämpfen. Sie durch Liebe in ein rechtes Gleichgewicht zu bringen, scheint vielmehr der Weg zu sein.

Gerade in unserer Zeit bietet das Osterfest vielleicht die Möglichkeit, in ein in sich ruhendes Gleichgewicht zu kommen, aus dem heraus wir der Welt – unserer Umwelt und unseren Mitmenschen – mit Liebe begegnen können.

Und nicht zu vergessen sei auch die kleine Gestalt bei der Skulptur des Menschheitsrepräsentanten, die links über Luzifer zu finden ist – der Weltenhumor!

Ein schönes Geschenk für die Osterzeit für Kinder ab 7 Jahren ist das „Das Neue Testament für Kinder„. Ihr findet es, neben vielen anderen inspirierenden Produkten in unserer Oster-Kategorie.

Wir vom Team des Waldorfshop wünschen euch allen ein liebevolles und humorvolles Osterfest.

 

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