Die heiligen Drei König‘ mit ihrigem Stern,

die kommen gegangen, ihr Frauen und Herrn.

Der Stern gab ihnen den Schein.

Ein neues Jahr geht uns herein.

 

Im letzten Blogpost berichteten wir über die 12 bzw. 13 Heiligen Nächte, die sogenannten Rauhnächte, zwischen dem 25. Dezember und 6. Januar. Man sagt, dass in den 12 Heiligen Nächten ganz besondere Kräfte walten, dass in dieser Zeit eine außergewöhnliche Offenheit zur göttlich-geistigen Welt herrscht und in diesen Tagen bzw. Nächten das bevorstehende Jahr “vorgefühlt” werden kann. Es heißt, man solle eine besondere Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse in dieser Zeit richten und die eigenen Träume reflektieren. Außerdem heißt es, mag man den alten Überlieferungen Glauben schenken, man könne in dieser Zeit die Keime für das Kommende legen, wie es auch die Natur tut, indem sie sich auf einen neuen Frühling vorbereitet, wenn mit dem Beginn der Heiligen 12 Nächte die Ruhe der Pflanzenwelt ein Ende findet, die ersten Wachstumsimpulse auftreten und beispielsweise die Säfte wieder in die Bäume steigen. 

Mit dem 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige enden die Heiligen Nächte und mit ihnen auch die Weihnachtszeit. Zeitgleich beginnt die Epiphaniaszeit, die bis Mariä Lichtmess am 2. Februar dauert.

Jedes Jahr am 6. Januar feiern wir heutzutage den Dreikönigstag, die Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige. Dieser Tag ist auch der Tag der Jordantaufe, das Fest der Erscheinung des Herrn.

Zu Beginn des Christentums, bis ins dritte Jahrhundert hinein, wurde nur der 6. Januar gefeiert. Später erst wurde auch die Geburt Jesu als Weihnachtsfest eingeführt. Mit der Adventszeit bereiten wir uns auf die Weihnachtstage vor und feiern dann die Erfüllung der leiblichen Geburt des Jesuskindes, die der geistigen Christgeburt vorhergehen muss. Die zwölf Weihnachtstage geben uns Zeit, uns diese zwei Feste bewusst werden zu lassen. 

Die Weihnachtszeit ist eine freudige und gesellige Zeit, die die meisten Menschen im Kreise ihrer Familie und mit guten Freunden verbringen.

Wirft man in den Weihnachtstagen einen Blick auf den Jahreszeitentisch in einer waldorfpädagogischen Einrichtung, so verändern sich dort an der Krippe in dieser Zeit einige Dinge: während sich die Hirten mitsamt ihren Schafen auf ihre Rückwege begeben und zum Jahresbeginn meist ganz verschwunden sind, ziehen nun die Heiligen Drei Könige zur Krippe hin. Sie folgen dem Stern, der ihnen den Weg weist. 

Am 6. Januar kommen sie zur Anbetung des Kindes an der Krippe an. Sie opfern ihre Gaben: Gold, Myrrhe und Weihrauch.

Wie es auch im Matthäus-Evangelium nachzulesen ist, wurden die Heiligen Drei Könige bis ins 2. Jahrhundert als Magier bezeichnet. Für ihre Herkunft gibt es diverse Quellen. Später erst wurden aus den Magiern die Heiligen Drei Könige, die heute unter den Namen Kaspar, Melchior und Balthasar bekannt sind und seit dem Mittelalter eine besondere Rolle für die Kirche spielen. Ihre Gebeine wurden einst in Mailand bewahrt, heutzutage kann man sie bei einem Besuch im Kölner Dom besichtigen. 

Es gibt alte biblische Prophezeihungen, die erzählen, dass der Stern bereits lange erwartet wurde und letztlich von den Propheten Bileam und Jesaja angekündigt wurde. Weil Sternkundige die Erscheinung des Sterns auf keinen Fall verpassen wollten, wachten sie bereits auf einem Berg namens Vaus. Als es endlich so weit war und der Stern in Erscheinung trat, erreichte diese Botschaft auch die Heiligen Drei Könige, die zu dieser Zeit in Indien, Chaldäa und Persien lebten und sie machten sich auf den Weg. Dieser Legende nach werden die Heiligen Drei Könige oft auch als die Vertreter der drei großen vorchristlichen  Kulturepochen betrachtet; der altindischen, der altpersischen und der ägyptisch-chaldäischen. Der Stern, der den sternkundigen Königen in Erscheinung getreten war, war allerdings nicht nur eine bloße kosmische Erscheinung, sondern ebenso eine übersinnliche. Sie kündete von der Geburt des Jesuskindes, dem die Könige ihre Opfergaben brachten. Diese Opfergaben, Gold, Weihrauch und Myrrhe können als Gaben ihrer eigenen Persönlichkeiten interpretiert werden und somit auch als das geistige Gut der drei Kulturen verstanden werden. Melchior als König des Lichtes weist auf den persischen Gott Ahura Mazdao hin, der ebenfalls als ein König des Lichtes verehrt wurde. Er opferte dem Jesuskind Gold, was lange Zeit als Eigentum von Göttern angesehen wurde und für Weisheit und edle Gedankenkräfte steht. Balthasar heißt aus dem Babylonischen übersetzt Gott schütze sein Leben. Als zweiter König brachte er dem Kind in der Krippe Weihrauch. Weihrauch wurde bereits in der ägyptischen Zeit im Tempel verbrannt. Sein Duft hat reinigende Wirkung und wird im Gebet mit der göttlichen Welt in Verbindung gebracht. Als Gabe für das Kind, das sich im späteren Leben opfern wird, um die Menschheit von ihrer Schuld zu erlösen, steht der Weihrauch als Symbol für eine liebevolle und fühlende Hingabe. 

Kaspar als der dritte König wird der urindischen Kulturepoche zugeschrieben. Er brachte Myrrhe als Opfergabe zur Krippe hin. Myrrhe halt heilende Wirkungen und eine lebenserhaltende Kraft. Kaspar opfert diese Gabe dem Christuskind, späterem Heilbringer und Heiland.

Wenn die Kinder nach den Weihnachtsferien in den Kindergarten oder in die Schule kommen, haben die Könige ihre Gaben bereits gebracht. Der Jahreszeitentisch ist mit weißen und blauen, mancherorts auch mit goldgelben Seidentüchern geschmückt. Maria trägt eine Krone, das Kind hält sie in ihren Armen. Maria und Josef empfangen die drei Weisen aus dem Morgenland in einem Haus. So ist es auch im Matthäus-Evangelium nachzulesen. Um das Haus stehen zwölf Teelichter, die die zwölf Heiligen Nächte symbolisieren sollen. Des Weiteren zieren Kiefernzweigen und Bergkristalle die unmittelbare Umgebung des Hauses. An einem der Kiefernzweige hängt ein goldener Stern mit dem Bild der Jungfrau und des Kindes. Eine weiße Christrose öffnet sich nach und nach und offenbart ihre Blüten.

Ein paar Tage verweilen sie noch im Haus. Dann wandern sie wieder zurück ins Morgenland. Nachdem Josef im Traum der Engel erschienen ist, verlässt auch er mit Maria, dem Kind und dem Esel das Haus und gemeinsam ziehen sie nach Ägypten. 

Herodes bleibt vor den Kindern unerwähnt. Stattdessen wird in der Dreikönigszeit mit den Kindern das Dreikönigsspiel gespielt. Es lehnt in seinen Grundzügen an das Oberuferer Dreikönigsspiel an. Verkleidet mit Tüchern und Umhängen dürfen die Kinder in die Rollen schlüpfen, die täglich neu verteilt werden. Somit hat jedes Kind die Möglichkeit, auch einmal die Rolle eines Königs zu spielen.

Über die Nachahmung verinnerlichen die Kinder die Geschichte tiefer als wenn sie diese einfach nur hören würden. Es ist zu beobachten, dass viele Kinder dieses Spiel auch gerne noch ins anschließende Freispiel als Puppen- oder Rollenspiel mitnehmen. 

Durch das Dreikönigsspiel wird für die Kinder die Krippe auf dem Jahreszeitentisch lebendig. Mit Mariä Lichtmess endet dann am 2. Februar auch diese Zeit. Alle Kerzen, die im kommenden Jahr gebraucht werden, werden an diesem Tag geweiht. Inzwischen ist draußen in der Natur zu beobachten, dass die Tage bereits deutlich heller werden. Die ersten Frühlingsblumen sprießen und zeigen uns, dass die Natur ihre Kräfte zurückerlangt hat.