Ein alter Brauch

Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.

Liebe Sonne, liebe Erde,
Euer nie vergessen werde.

 

Das Erntedankfest ist eines der ältesten Brauchtümer überhaupt. In früheren Zeiten lebten die meisten Menschen auf dem Land und konnten nicht einfach in den nächsten Supermarkt fahren, um sich ihr Essen zu kaufen. Sie waren von den Erträgen der Ernte abhängig. Somit hatte der Erntedank damals eine viel tiefere und existenzieller Bedeutung. Die Menschen waren dankbar für die Früchte der Erde, die sie über den Winter und bis zur nächsten Ernte ernährten. Auch für die Mägde und Knechte war es ein Fest. In früheren Jahrhunderten bewirteten die Gutsherren sie zum Erntedankfest mit Erntebier und einem Festessen.

Seinen Ursprung hat das Erntedankfest wahrscheinlich im alten Rom und bei den Griechen, die zur Erntezeit ein Fest zu Ehren der Göttinnen des Getreides Ceres bzw. Demeter.

Im Christentum wurde dann Gott für die reichen Gaben der Erde gedankt. Dies ist als Brauchtum und Tradition bis heute erhalten geblieben. In der katholischen und evangelischen Kirche wird das Erntedankfest am Sonntag nach Michaeli bzw. am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Die Kirchen werden mit Kränzen geschmückt und mancherorts auch mit einer Erntekrone, vor dem Altar werden Körbe mit Gemüse und Obst gestellt und es wird ein besonderer Gottesdienst gefeiert.

In den USA wird Thanksgiving gefeiert. Dies ist einer der wichtigsten Feiertage in Amerika. Zum Thanksgiving Day, am vierten Donnerstag im November, kommt meist ein großer Truthahn auf den Tisch.

Sukkot, das Laubhüttenfest, ist ein jüdisches Fest und wird sieben Tage lang im September oder Oktober gefeiert. Es ist eines von zwei Erntedankfesten die gefeiert werden. Schawuot wird im Mai oder Juni direkt nach der ersten Ernte gefeiert. Die Hütten, die zum Laubhüttenfest errichtet werden, sollen an den Auszug aus Ägypten erinnern und werden oft mit Erntegaben geschmückt.

Überall auf der Erde leben die Menschen von den Früchten der Natur und so findet sich eigentlich auch in allen Kulturen ein Fest, mit dem wir „Danke“ sagen.

Das Erntedankfest im Waldorfkindergarten

Zum Erntedankfest bzw. zum Beginn der Erntedank Woche bringt jedes der Kinder ein kleines Körbchen mit in den Kindergarten. Dieses ist gefüllt mit Obst, Gemüse, Korn und Nüssen. Sie alle finden Platz auf dem geschmückten Erntedanktisch. An jedem Tag der Woche wird nun eifrig gekocht und gebacken und aus all den Schätzen leckere Speisen geschaffen. Jedes Kind trägt etwas dazu bei. Begleitet durch die Erwachsenen kann ein Gefühl der Dankbarkeit für den Reichtum entstehen, den die Erde uns schenkt.

Gerade in unserer Zeit ist das Gefühl der Dankbarkeit so wichtig. Durch Dankbarkeit kann ich mich mit der Welt verbinden, aus der Dankbarkeit heraus kann ich zum Empfinden von Liebe für alles Lebendige um mich herum gelangen.

Rudolf Steiner sagt dazu in einem Vortrag vom 15. August 1923:

„Und so knüpfen wir an dasjenige an, was das Kind weiß, wissen lernt auf märchenhafte Weise, auf phantasiemäßige Weise über die Natur. An das knüpfen wir an, um das Kind zunächst gegenüber allem, was in der Welt geschieht, zu einer gewissen Dankbarkeit zu führen. Dankbarkeit gegenüber allem, was Menschen uns tun, aber gegenüber allem auch, was uns die Natur gewährt, das ist dasjenige, was das religiöse Empfinden auf den richtigen Weg bringt. Überhaupt ist die Erziehung zur Dankbarkeit etwas unendlich Wichtiges und Bedeutungsvolles. Der Mensch sollte sich dazu entwickeln, wirklich auch ein gewisses Dankesgefühl zu haben, wenn – vielleicht klingt das sogar paradox, und dennoch ist es tief wahr – zur rechten Zeit, wo er dies oder jenes zu tun hat, ihm das geeignete Wetter zuteil wird. Gegenüber dem All, dem Kosmos Dankbarkeit entwickeln zu können, wenn das auch, ich möchte sagen, in einem imaginativen Welterleben nur geschehen kann, das ist dasjenige, was unsere ganze Weltempfindung religiös vertiefen kann.“

Das Erntedankfest bietet die Möglichkeit echte Dankbarkeit in uns entstehen zu lassen. Aber auch täglich können wir dies im Kleinen üben, indem wir uns vor den Mahlzeiten einen kurzen Moment zum „Danke“ Sagen nehmen:

Das Brot vom Korn,
das Korn vom Licht,
das Licht aus Gottes Angesicht.
Die Frucht der Erde
aus Gottes Schein,
Lass Licht auch werden
im Herzen mein.

Rezepte zum Erntedank

Zum Erntedankfest gehört traditionell die Erntedank-Suppe. Diese wird natürlich aus den Früchten gekocht, die gerade geerntet werden. Bei uns sind das vor allem Kartoffeln, Kürbis und Möhren.

Ihr braucht also Gemüse eurer Wahl, z.B. Möhren, Kürbis, Kartoffeln, Pastinaken, Zwiebeln, Rote Bete. Dieses könnt ihr in Wasser mit Gemüsebrühe weich kochen und mit Gewürzen wie Paprikapulver, Pfeffer, Salz, Muskat und auch mit Ingwerpulver oder Zitronengraspulver würzen. Zitronen- oder Limettensaft rundet den Geschmack dann herrlich ab. Die Suppe könnt ihr dann am Besten mit einer Scheibe frisch gebackenem Brot genießen.

Aus den folgenden Zutaten könnt ihr entweder ein last minute Michaeli Brot in Schwertform backen oder eben ein Brot für die Erntedank Suppe.

Zutaten:
600 g Dinkel Vollkornmehl
oder 1050 Dinkelmehl
300 ml Wasser
1 Pck Trockenhefe
1/2 Tasse geschrotete Sonnenblumenkerne
1/2 geschrotete Sesamsamen
1/2 Teel Salz
ein Schuss Essig

 

Erntedank im Waldorfshop

In unserem neuen Herbst/Winter Katalog haben wir auf den Seiten „Herbstzeit“ und „Backen und Kochen“ viele wunderbare Helfer für die Erntedankzeit zusammengestellt:

Die Apfelschälmaschine sorgt mit ihren 3 Funktionen garantiert für jede Menge Spaß und Lust auf Obst und Vitamine! Sie ist eine große Hilfe beim Apfelmus kochen oder Apfelkuchen backen. Im Handumdrehen lassen sich Äpfel schälen, entkernen und spiralförmig zu langen Apfelschlangen schneiden. Einfach den Apfel aufstecken und die Handkurbel drehen. Tipp: Die Schale der Äpfel lässt sich wunderbar für Apfeltee nutzen!

 

   

 

 

Die mechanische Saftpresse aus Holz und Metall eignet sich mit ihren vier geschlossenen Pressblöcken für die Verarbeitung großer Mengen an Gartenfrüchten zu frischem Saft, Most oder Wein.

 

Mit unserer praktischen Handmühle könnt ihr euch selbst euer Mehl mahlen.

Frisch geflockt bringt gesünderen Genuss! Getreideflocken sind nicht nur Grundlage eines gesunden Frühstücksmüslis, sondern schmecken auch in selbst gebackenem Brot, Brötchen und Bratlingen. Mit der Flockenquetsche könnt ihr sie flink und einfach selbst herstellen.

 

Einmal selbst erleben, wie aus Milch Butter entsteht. Mit diesem Buttermacher gelingt die Herstellung hauseigener Butter oder Sahne kinderleicht.

Wer so viel in der Küche tätig ist, braucht natürlich auch die passende Kleidung. Wir bieten zwei wunderschöne Schürzen an aus 100% Öko-Tex zertifiziertem Leinenstoff und nachhaltiger, regionaler Produktion. Während die strapazierfähigen Schürzen die Kleidung eures Kindes vor Verschmutzung schützen, kann es sich selbst wie ein echter Koch oder eine echte Köchin bei der Arbeit fühlen.

Ein wunderschönes Buch für diese Zeit ist „Frederick“ von Leo Lionni, in welchem davon erzählt wird, dass es nicht nur die Früchte der Erde braucht, um gut durch den Winter zu kommen: Der Winter naht. Alle Feldmäuse arbeiten Tag und Nacht, sammeln Körner und Nüsse, Weizen und Stroh. Alle bis auf Frederick. Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter, das sind seine Vorräte für die kalten, grauen und langen Wintertage.

Habt ihr schon Erfahrungen mit den Getreidemühlen, der Flockenquetsche oder der Saftpresse sammeln können? Und hat jemand von euch schonmal vegane „Butter“ mit dem Buttermacher hergestellt? Teilt es uns gern in den Kommentaren mit!

Wir vom Waldorfteam wünschen euch eine leckere Erntedankzeit mit Momenten der Ruhe und Andacht, in denen ihr „Danke“ sagen könnt – den Pflanzen, den Tieren und den Menschen um euch herum.