„Kinder, die in der Jugend lernten, mit der Hand in sinngemäßer Weise künstlerische, nützliche Dinge für andere Menschen und für sich selbst zu bilden, werden auch als Erwachsene dem Menschen und dem Leben nicht fremd gegenüberstehen.“ — (R. Steiner)

Der Handarbeitsunterricht wird für Mädchen und Jungen von der 1. bis zur 12. Klasse an Waldorfschulen erteilt. Die Notwendigeit einer ganzheitliche Bildung, die Handeln, Erleben und Verstehen umfasst, wird heutzutage breit anerkannt. Durch die Verknüpfung von Wahrnehmung, Reflexion und Handeln können die Fächer Handarbeit und Werken einen wichtigen Beitrag zum Bildungs- und Erziehungsauftrag einer Schule leisten. Handarbeit fördert:

  • die Feinmotorik
  • die Geschicklichkeit
  • die Präzision
  • die Selbstständigkeit
  • die Kreativität
  • den ästhetischen Sinn
  • das Materialempfinden, Empfinden für Form und Farbe
  • Sorgfalt und Ausdauer
  • Wertschätzung für das verwendete Material
  • die Fähigkeit für Planung und Durchführung
  • gibt Anregungen zur Freizeitgestaltung
  • gibt Anregungen zur Berufsfindung

Über die Betätigung beider Hände werden nicht nur die Feinmotorik trainiert sondern auch beide Gehirnhälften angesprochen. Dadurch wird die geistige Konzentration und das strukturelle Denken positiv beeinflusst. Dies hat bereits Aristoteles folgendermassen ausgedrückt: Der Mensch empfing die Hand weil er den Geist empfing.

Die Bezeichnungen „Ich habe es begriffen“, „Ich greife den Faden auf“, „Er/sie spinnt den Gedanken weiter“ erinnern uns daran. Mit dem Handarbeitsunterricht sind verstrickt das BE – GREIFEN – LERNEN. In der heutigen Gehirnforschung wird den Sinneserfahrungen und dem eigenen Lernverhalten eine große Bedeutung zugemessen. Sie fördern die Voraussetzung für differenziertes Sprechen und bewegliches Denken.

Aus: Hedwig Hauck, Kunst und Handarbeit