Bild von: Heike Stinner

Liebe Leser,

Wir werden in den folgenden Tagen nun einen näheren Blick auf die österliche und vorösterliche Zeit werfen. Ihr dürft euch auf Informationen, Betrachtungsweisen rund um Ostern freuen und auch Back- und Basteltips werden dabei sein.

Beginnen werden wir, indem wir uns ganz bildlich vorstellen, in welcher Zeit (Frühling) wir uns nun gerade befinden und was Ostern damit zu tun hat und wie man das Osterdatum an den Sternen ablesen kann.

Viel Freude wünscht euch euer Waldorfshopteam!

 

Frühling – Kontemplation – und die Himmelsuhr

In der Vorbereitung zu Ostern ist eine der schönsten Kontemplationen, die Jahreszeit Frühling als Ausatmungsprozess, als Ausstieg der Elementargeister aus dem Schoß der Erde, wahrzunehmen.

Erwachende, erblühende Natur, die Erde wird im Äußeren wieder mit lebendig Wesenhaftem erfüllt. Dem können wir nachfühlen, wenn wir in die Übung der Achtsamkeit eintauchen. 

Im Äußeren ist es die Zeit der Knospen, der frühlingsbringenden Blumen. An den Zweigen sprießen nun Knospen, die wie kleine Perlen an den Zweigen hängen und überall wird die Natur in frisches Grün getaucht. Das Schneeglöckchen, die erste Botin des Frühlings, verblüht schon langsam wieder und wird gefolgt von Krokussen, Narzissen, Schlüsselblumen und noch etwas später dann im Garten auch gern einmal schon Tulpen.

Ein Spaziergang lohnt sich in dieser Zeit auch im Wald, dort findet man nun ausgedehnte Blumenteppiche. Gerade mit Kindern ist das ein tolles Erlebnis, wenn der karge Waldboden ‚aufbricht‘ und an vielen Stellen voller Blüten ist. Man kann das blau blühende Leberblümchen, das gelbe Scharbockskraut, die weißen und violetten Blüten des Hohlen Lerchensporns und auch das liebreizende Waldveilchen nun entdecken.

Auch wir Menschen sind nun mehr im offenen Raum zu finden, in den Gärten, in den Wäldern und auf den Spazierwegen. Auch wir können in dieser Zeit den Lebensimpuls nachfühlen und handeln ja auch danach, indem wir z.B. Sämlinge für den Gemüseanbau ab etwa Mai vorziehen, Blumentöpfe und -kästen wieder mit frischen Blumen bepflanzen oder das ein oder andere Gartenkraut. Gerade der Schnittlauch treibt nun schon kräftig aus und macht den frischen Salat noch köstlicher. Welch ein Genuss, wenn der Garten oder Balkon schon bald wieder die täglichen Kräuter schenkt.

Wir erleben, dass es draußen nun wärmer wird. Die erste Lust auf ein kühlendes Eis kann da schon einmal aufflammen. Hier ein Tip für eine leckere Alternative zum gekauften Eis. Man nehme guten Demeter Joghurt und mische diesen im Mixer mit gefrorenen Himbeeren, Erdbeeren oder auch anderen Früchten. Mit etwas Honig versüßt schmeckt das Eis hervorragend, auch jetzt schon im Frühling.

Aber warum wird es nun wieder wärmer? 

Die Sonne geht am Frühlingsäquinoktium (Frühlingsbeginn / Tag- und Nachtgleiche) genau im Osten auf, ist mittags senkrecht über dem Äquator und geht exakt im Westen unter. Dadurch, dass unsere Erde geneigt ist, steht die Sonne nun jeden Tag etwas höher am Horizont, nun steigen auch die Temperaturen in unseren Breitengraden. Interessanterweise ist die Sonne zu diesem Zeitpunkt nicht näher an der Erde. Wenn die Erde der Sonne am nächsten ist, herrscht bei uns tiefster Winter.

Wie können wir nun wissen wann Ostern ist?

Dafür kann man ebenso hinauf in den Himmel blicken. Wir orientieren uns zunächst an der Tag- und Nachtgleiche (Äquinoktium), der Tag im Jahr, wenn Tag und Nacht ziemlich genau je 12 Stunden lang sind. In diesem Jahr, findet das Frühlingsäquinoktium am 30. März statt.

Um nun den diesjährigen Ostersonntag zu ermitteln, wird der nächste Vollmond nach der Tag- und Nachtgleiche abgewartet, dieses Jahr wird es der 08. April 2020 sein. Der auf diesen Vollmond folgende Sonntag ist dann der Ostersonntag, der 12.04.2020.

Mit den größeren Kindern, zum Beginne des Überganges vom Kind zum Jugendlichen, kann man dieses Phänomen, den Blick zum Mond, in die Sterne gut tun und dabei auch erklärend dem Jugendlichen den Lauf der Sterne näher bringen. 

Ostern, auch wenn man es phänomenologisch, an den Naturereignissen beobachtend, ergreift, ist ein Prozess der Auferstehung.

Als wunderbares Gleichnis zum Ostergeschehen wird das Ei oder auch das Samenkorn verwendet.

Auch Jesus spricht vom Weizenkorn als Gleichnis des Sterbens und wieder Auferstehens in

Johannes 12, 24: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Das Ei als Sinnbild des Lebens. Leben gestaltet durch unsichtbares Hin zum Sichtbaren, vom Wandel der Gestalt, vom Herausbrechen und Heraustreten aus etwas hülle gebendem Alten, von Mut und Zuversicht, von der Auferstehung und dem Wachstum, von Freiheit, von der Magie des Lebens. 

Ostern kann auch als ein heiliger Akt der Demut gegenüber den Lebens- und Sterbeprozessen verstanden werden.

Wir haben es zu Ostern also nicht nur mit dem uns so vertrauten christlichen Bild des gestorbenen Jesus und wieder auferstehendem Christus zu tun, der Osterprozess spiegelt den Lebensprozess an sich wieder und die Wunder die damit verbunden sind, eben auch die geistigen, für uns nicht sichtbaren Ereignisse, die uns Menschen so faszinieren. Aber auch in den Naturprozessen kann man diese Auferstehung erleben, wenn das im Winter Verwelkte, Erstarrte und Erstorbene, im Frühling zu neuem Leben erwacht.

Mit österlichem Gruß,

Maria vom Waldorfshopteam

 

 

Zum Autor: Maria ist ausgebildete Kinderpflegerin. Nach ihrer Ausbildung studierte sie Lehramt für berufliche Schulen mit der Fächerverbindung Gesundheits- und Pflegewissenschaften und Sozialkunde an der TU München. Anschließend absolvierte sie die Lehrerausbildung am Südbayerischen Seminar für Waldorfpädagogik. Derzeit arbeitet sie in einem Waldorfkindergarten im Landsberger Raum, schreibt regelmäßige Blogbeiträge für den Waldorfshop und ist verantwortlich für dessen YouTube-Kanal. Maria ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 6 und 11 Jahren.