Bild von: Heike Stinner

Ostern Teil II – Österliche Vorbereitungen mit Kindern

Ostern mit Kindern wird immer am besten gefeiert, wenn wir Erwachsenen uns ersteinmal über die Kraft dieser Jahreszeit, der Bilder und Stimmungen und den damit verbundenen Prozessen im Äußeren der Natur, wie aber auch im Inneren unserer Seele bewußt werden. 

Es ist gut, sich weitergehend anthroposophisch zu erkundigen, sich auf einen Weg der Erkenntnis zu machen, sich meditativ auseinander zu setzen, was sich in der Jahreszeit Frühling für uns Menschen bewegt und was für jeden Einzelnen Ostern als Auseinandersetzung mit Sterben und Leben bedeutet. 

Denn all die Dinge, die in uns weben, die wir denken und fühlen und welche Handlungen wir im Äußeren vollziehen, nehmen die Kinder in sich auf. Sie verbinden sich sozusagen mit den Seelenfarben, die wir als Erwachsene ausströmen. Das kleine Kind im Besonderen ist dafür empfänglich. 

Aber nun ganz schöpferisch betrachtet, gibt es natürlich ebenso einiges was wir für und mit den Kindern gestalten können um in die österliche Gesinnung oder Stimmung zu kommen. 

Wenn wir mit den Kindern gemeinsam Ostergras sähen, die Kinder das Korn in die Hand nehmen dürfen, sie in den Schoß der Erde legen, die Elemente ihre Magie tun lassen, ist das für das kleine Kind ein nachvollziehbarer, Halt gebender und die Seele wärmender Prozess. Etwas Magisches entsteht, wenn aus dem Korn erst die Wurzel herausbricht und dann das Grün in die Höhe wächst. Die Lupe ist da ein hilfreiches Mittel für die Schulkinder, um auf eine tägliche Erkundungsreise zu gehen.

Warum sähen wir Weizen zu Ostern aus?
Das Weizenkorn ist ein sogenannter Lichtkeimer, es hat aus spiritueller Sicht den größten Bezug zur Sonne. Die Sonne nunmehr ist nach Rudolf Steiner die Heimat des Christus während der Erdentwicklung gewesen. Durch das Mysterium von Golgatha hat sich die Christuskraft mit der Erde dann verbunden, so R. Steiner. Wer sich einen schnellen Blick verschaffen will zum Thema „Mysterium von Golgatha“, kann dies gut auf www.anthrowiki.at tun. Dort findet ihr auch weitere Literaturhinweise zu Originaltexten von Steiner zu diesem Thema sowie vieles rund um die Anthroposophie.

Die „Goldene Nuss“

Eine besondere Art und Weise, das Weizenkorn den Kindern zu Ostern zu schenken, ist die „Goldene Nuss“ (Gold als Symbol der Sonnenkraft und Nuss, da muss Leben aus einer sehr harten Hülle hervorgehen). Dieses Ritual wird vor allem in einigen Waldorfkindergärten gelebt. Die Kinder bekommen diese „Goldene Nuss“ bereits zum (bzw. vom) Nikolaus. Die Vorbereitungen hierfür sollten die Erwachsenen aber im Verborgenen tun. 

Dazu wird eine Walnuss mit dem Messer (vorsichtig mit dem Messer in die Naht der Nuss gehen und das Messer dann leicht drehen bzw. hebeln) so halbiert, dass die Nusshülle unbeschadet bleibt, die Frucht aber entfernt werden kann. An der Stelle der Frucht werden Weizenkörner eingefüllt. Die Nuss wird nun wieder mit Kleber oder Leim zusammengefügt und dann mit Anlegemilch bestrichen, sodass man das Ei nun mit Blattgold umhüllen kann. In unserem Waldorfkindergarten bekommen die Kinder die „Goldene Nuss“ vom Nikolaus mit Nüssen, Äpfeln und Lebkuchen in einem Jutesack als Überraschung gebracht. Die goldenen Nüsse bekommen die Kinder mit zu Ihren Eltern nach Hause und sollen dort an einem schönen und gut geschützten sicheren Platz bis zur Osterzeit aufbewahrt werden. Die „Goldene Nuss“ raschelt auch so schön und da braucht es ganz schön Durchhaltekraft von den Kindern, so eine lange Zeit auf das Lüften dieses Geheimnisses zu warten! Wenn es Zeit ist, das Ostergras zu pflanzen, darf jedes Kind seine „Goldene Nuss“ wieder mit in den Kindergarten bringen. Die Nuss jedes Kindes wird dann geöffnet und die Weizenkörner dürfen in die Erde ihrer mitgebrachten Schale gelegt werden.

Ostergras sähen

Natürlich kann man auch ganz ohne goldene Nuss Ostergras sähen: Es wird mit den Kindern eine Pflanzschale hergerichtet und mit Erde befüllt. Die Weizenkörner legt man dem Kind am besten in sein kleines Handschälchen, die Kinder können so die kleinen Körner, Körnchen für Körnchen nehmen und sie auf der Erde verteilen. Es tut ganz gut, wenn man hier auch einmal ganz in die Muse geht und als Erwachsener dem Kinde vorlebt, dass es auch eine schöne Tätigkeit ist, jedem einzelnen Korn die Aufmerksamkeit zu schenken und ihm seinen guten Platz auf der Erde zu geben. Auch wenn der Bauer auf dem Felde so natürlich nicht sähen würde. Das Prinzip der Achtsamkeit, gut vorgelebt, wird das Kind in eine sehr feine Stimmung versetzen, die den Raum und die Beteiligten in Wohligkeit taucht. Auch wenn es, wie bei vielen Kindern, nur einige wenige Minuten oder gar Sekunden sind, ist es diese Zeit doch wert und tut der Seele gut.

Märchen

Auch das Märchen ist ein guter Begleiter in dieser Zeit. Das Märchen ist ein zauberhafter, warmer Strom hin zur Seele des Kindes, denn das Märchen kommt aus den Tiefen der geistigen Welten, die uns geistig nähren und strömt sich aus in Bildsprache, die dem Kinde geistige Nahrung darbietet.

Als Märchen vor Ostern eignen sich gut „Das Eselein“ und der „Froschkönig“, aber auch „Die Kristallkugel“ und „Rapunzel“.

Backen zu Ostern

Ostergebildbrot ist ein Brot aus süßem Hefeteig – je nach Belieben mit Nüssen und/oder Rosinen. Man bildet drei Teigstränge (Symbol für die Dreiheit) und flicht sie zu einem Zopf, der dann zu einem Kranz geformt wird (ein in sich geschlossener, symbolträchtiger Kreis). Darin legt man dann die schön gefärbten roten Eier. Man kann auch für jedes Familienmitglied einen eigenen Kranz flechten und dann mit nur einem Ei bestücken (siehe Bild).

Hier ein Rezept von unserer lieben Kollegin Julika:

Ostergebildebrot
600 g Mehl
280 ml warme Milch, Hafer- oder Sojamilch
100 g Butter oder Margarine
1 Ei (kann auch weggelassen werden)
100 g Agavendicksaft oder Zucker
25 g Hefe
1 Prise Salz
1 Pck Vanillezucker
Den Teig 30 min gehen lassen und
bei 180 Grad Celsius 20 min backen.

Im nächsten und letzten Beitrag zu Ostern beschäftigen wir uns mit dem Urbild Ei, wie man ein richtig schönes Weiden-Osternest macht und was es mit dem Motiv des Hasen und des Hahnes zu Ostern auf sich hat. Auch werden wir kurz die alte Tradition des Osterbaumes betrachten.

Mit den allerliebsten österlichen Grüßen,
Maria vom Waldorfshop

PS: Wir haben ja bereits ein schönes Video zum Gestalten eines Schneeglöckchens veröffentlicht. Hier nun eine Fotoidee, wie man das Video auch zum Gestalten einer Tulpe verwenden kann.

Bildinspirationen Tulpe:

Viel Spass beim Nachbasteln!

 

 

Zur Autorin: Maria ist ausgebildete Kinderpflegerin. Nach ihrer Ausbildung studierte sie Lehramt für berufliche Schulen mit der Fächerverbindung Gesundheits- und Pflegewissenschaften und Sozialkunde an der TU München. Anschließend absolvierte sie die Lehrerausbildung am Südbayerischen Seminar für Waldorfpädagogik. Derzeit arbeitet sie in einem Waldorfkindergarten im Landsberger Raum, schreibt regelmäßige Blogbeiträge für den Waldorfshop und ist verantwortlich für dessen YouTube-Kanal. Maria ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 6 und 11 Jahren.