Im letzten Beitrag habe ich euch einen kleinen Überblick über die Anthroposophie kennenlernen Tagung in Loheland gegeben. 

Den erste Vortag hielt Gerald Häfner zum Thema „Aktualität der Anthroposophie“. Gerald Häfner begleitete die Tagung als Zuschauer und Mitwirkender die ganze Zeit über. Zu erleben, wie „gestandene“ Anthroposophen mit Interesse und Schaffenskraft an dieser Tagung, die sich ja vor allem an Menschen richtete, die neu zu Anthroposophie kommen, mitwirken, erfüllte mich mit Freude und mit Hoffnung.

Gerald Häfner, geboren 1956 in München ist in der Politik tätig (zwischen 1987 und 2002 war er dreimal Mitglied des Deutschen Bundestages und war von 2009 bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments), Publizist, Waldorflehrer, Leiter der Sozialwissenschaftlichen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum, Dornach (Schweiz) und Gründer bzw. Mitbegrüner vieler Initiativen und Stiftungen, wie z.B. Mehr Demokratie e.V..

Er hält, wie ich finde, auf grandiose Art Vorträge. Leicht und bekömmlich erscheinen sie und gehen doch so sehr in die Tiefe. Niemals lässt sich das gleichwertig in einem Blogbeitrag rüberbringen. Zum Glück werden bald auf der Webseite „Anthroposophie – Tage“ die Videos zu Verfügung stehen.

Ich möchte mit euch hier meine Aufzeichnungen und Gedanken zu dem Vortrag teilen.

In gewisser Weise beginnt mit diesem ersten Vortrag ein Kreis, der sich mit dem letzten von Matthias Girke „Meditation und innerer Weg der Anthroposophie“ schließt. 

Die Frage nach der Aktualität der Anthroposophie beantwortete Gerald Häfner meines Erachtens nämlich mit dem Blick in das Innere des Menschen und die Wirkung, die der Umgang mit der Anthroposophie und überhaupt alles, was von außen kommt, auf dieses Innere haben kann.

Zwei Wege beschrieb er, wie die Menschen etwas Neuem, noch Fremden, wie z.B. der Anthroposophie, begegnen können.

1. Weg: Außen vor bleiben

Wir begegnen dem Neuen auf einer sachlichen, abstrakten, auf einer Verstandesebene. Dies führt dazu, dass das Neue uns nicht vertraut wird, sondern fremd bleibt. Dem fremden Neuen gegenüber entwickeln wir Vorurteile und Ängste. Überhaupt bleiben wir im Gegenüberstehen, im Urteilen verhaftet.

2. Weg: Sich verbinden

Steige ich in ein neues Thema, in ein mir bisher unbekanntes Neues mit voller Kraft und ganzem Herzen ein, kann ich mich verbinden. Dies führt dazu, dass ich den Wunsch empfinde, das Neue, die anderen zu verstehen. Ich gehe in eine Begegnung und verlasse damit auf eine Art den sicheren Hafen. Das, was ich in dieser Begegnung erfahre, was ich durch die Verbindung erlebe, kann ich mit meinem Bewusstsein prüfen. Auf diesem Weg begegne ich der Welt und gleichzeitig mir in meinem Innern. Es geht hier nicht um ein willenlosen sich Verschlingen lassen von einer Idee oder dergleichen. Es geht um ein herzenswarmes Bewusstsein und um echte Begegnungsmöglichkeiten. Dies kann zu einer radikalen Freiheit führen. Denn dort, wo ich mich mit meinem Selbst verbinde und aus meinem Bewusstsein heraus zu Wissen gelange, da bin ich frei von Vorurteilen, Ängsten und Manipulation.

Wie aktuell ist die Anthroposophie?

Gerald Häfner zeigte in seinem Vortrag auf, warum die Anthroposophie aktueller denn je ist. Aus einem ganz einfachen Grund: Sie bietet Entwicklungsmöglichkeiten und Handlungsideen für die größten Probleme unserer jetzigen Zeit.

In der Landwirtschaft zeigt sie einen Umgang auf mit der Natur, die in allem Tun die Pflege der Fruchtbarkeit der Erde im Blickpunkt hat.

In der Pädagogik ermöglicht sie den Kindern und Jugendlichen tatkräftig in die Welt zu gehen, diese zu be- und ergreifen sowie in und an der Gemeinschaft wachsen zu können.

Die Anthroposophie bietet mit ihrem Erkenntnisweg, mit ihrem Anspruch eine Geisteswissenschaft zu sein, einen Weg, das noch Neue zu suchen und zu finden.

In der Persönlichkeitsentwicklung kann die Anthroposophie eine Antwort geben für all die Suchenden in dieser Zeit. Sie kann helfen, das Denken zu schulen, damit wir den Dingen auf den Grund gehen können. Sie kann uns darin unterstützen, unser Empfinden zu verfeinern und zu veredeln, so dass wir z.B. die Vorgänge der Natur wahrhaftig und bewusst erleben können. Und sie kann uns einen Weg aufzeigen, uns selbst zu verändern und dadurch die Welt.

Was könnte aktueller sein als die Notwendigkeit, uns zu ändern, die Dinge wahrhaft zu erfahren und sie zu verstehen. Inzwischen ist wohl jedem Menschen klar, dass wir eine Kehrtwende brauchen auf unserem Planeten. Die Anthroposophie kann hier Wege aufzeigen. Und sie tut dies unter vollster Anerkennung der individuellen Freiheit eines jeden Einzelnen!

 

 

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