Zuallererst wollen wir in diesem Blogbeitrag auf die von Rudolf Steiner hingewiesenen Kräfte der Johanni Zeit blicken und im zweiten Teil dann in einem Schwenk auf die irdischen Symbole oder Repräsentanten der Johannizeit schauen wie die Rose, die Lilie oder das Johanniskraut. Auch ein Rezept für ein wunderbar wohltuendes Johanniskrautöl wird in diesem Artikel für euch zu finden sein.

Wenn die Sommersonnenwende dieses Jahr am 20.06. vorüber ist, wird in der Christengemeinschaft in den darauf folgenden Wochen Johanni gefeiert. Der Glanz und Reichtum des Kosmos, der Sterne und der Sonne, spiegelt sich im vollends erblühten Irdischen wieder. Die Erdenseele hat ganz ausgeatmet. Die Erde zeigt nicht – wie bei der Wintersonnenwende – ihre eigene Kraft, sondern die aus dem Kosmos rückstrahlenden Sternen- und Sonnenwesen. 

Man kann also sagen, dass das, was wir in dieser Zeit des Sommers erleben dürfen, ein mit Hinausschweben der eigenen Seele in das Kosmische ist. All die wunderschönen in allen möglichen Farben blühenden Blumen, die überall schwirrenden Insekten, die Vogelpracht und die in saftigem Grün stehenden Pflanzen sowie die reiche Tierwelt, die sich uns allerorts zeigt, sind der Reichtum der Sterne, die wir hier auf Erden wie einen sich spiegelnden Glanz erblicken dürfen. Ganz im Sinne von Johann Wolfgang von Goethe:

„Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken;
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?“

So ist es an uns, in dieser Zeit mehr hinein zu fühlen in das innewohnende Kosmisch-Geistige dieser Zeit. Das Hingegebensein der menschlichen Seele an den Kosmos.

Was uns also in dieser Zeit wirklich lebendig und so frei fühlen lässt, ist das Hinausströmen und Verbinden mit dem Kosmisch-Geistigen. Die Erde ist hier der Spiegel dessen, was uns lebendig, wach, frei und leicht fühlen lässt.

In alten Zeiten war es den Menschen zur Johannizeit leicht, sich mit den Elementarwesen zu verbinden, die sich in all Ihrer Vielfalt und hervordringenden Präsenz dem menschlichen Geist zeigten. Die Natur war geistiges Sprachrohr der Götter, ein Sommertraum!

So wurden viele Feste in dieser Zeit gefeiert, in der Zeit des Hochsommers, der Zeit des empfangenden Lichtes, einer Zeit der moralischen Impulse der geistigen Welt für die Menschen, welche als Erleuchtungsstrom dankend von den Menschen empfangen wurde. Die Menschen feierten das Fest der Sommersonnwende mit ekstatischen Tänzen rund um das Feuer, das als irdisches Symbol für die Sonne gilt. Ein Entrücken aus dem Irdischen hin zum Geistigen wurde durch die Tänze bewirkt, und der Mensch wieder ganz aufgenommen in das Göttliche, was kosmisch hineinwebt in das Leben.

Nach der Christianisierung wurde die Feierlichkeit der heidnischen Sommersonnenwende durch die christliche Feier, die Geburt des Johannes des Täufers, ersetzt. Johannes der Täufer wurde am 24.06. im Jahre 5 v. Chr. geboren und ist Namensgeber des Johannistages oder Johannifestes. Es wird traditionell kurz nach dem heidnischen Sommersonnwendfest gefeiert und ist mit dieser kosmischen Allegorie, des irdischen Feierns, des höchsten Sonnenstandes des Jahres, eng verbunden. 

In der Johannisnacht vom 23.06. auf den 24.06. werden hier und da noch die Tradition des Sonnwendfeuers gepflegt. Teilweise riesige Feuer zieren Bergkuppen und Hügel als Symbol des Christus, der Sonne und des Lichtes. Es ist kosmisch gesehen die Wendezeit, der nun abnehmenden Sonnenstunden. Des Nachts werden beherzte Sprünge über das nunmehr nur aus heißer Glut bestehende Johannisfeuer gewagt. Es ist eine gute Schulung des Mutes, denn es verlangt doch einigen Willen und Mut, gerade von den Kindern, über die heiße Glut, die des Nachts so mystisch und wunderschön glimmt, zu springen. Ein wunderbarer, die Seele kräftigender Brauch, um der Sonne und den Sternen, den Elementarwesen und der geistigen Welt zu danken für Ihre Kraft.

Auch Pflanzen spielen zu Johanni eine wichtige Rolle. Sie haben symbolische Kraft, aber auch Heilkraft, die dieser Jahreszeit entspricht. Es ist z.B. die Zeit der Ernte des magischen Heilkrautes Johanniskraut, welches uns durch das Trocknen der Blüten für Tee und das Einlegen jener in Öl im restlichen Jahr wunderbare Dienste leistet. Aber auch die Rose und die Lilie spielen eine große symbolische Rolle zu Johanni.

Die weiße Lilie ist ein Symbol der Einheit einer Dreiheit, der Trinität von der Wesenseinheit aus Vater, Sohn und dem Heiligen Geist. Diese symbolträchtige Interpretation verdankt die Lilie ihrer dreiblättrigen Struktur. Zweimal drei übereinander liegende Blätter bilden insgesamt einen Sechsstern. Der Sechsstern – oder auch Hexagramm – ist ein Symbol für den Makrokosmos und repräsentiert alle vier Elemente – das Feuer, das Wasser, die Luft und die Erde. Die Lilie steht symbolisch für Licht, Reinheit und Unschuld. Sie ist ein Zwiebelgewächs und verwurzelt sich im Erdreich nur sehr schwach. Auch das Blütenblatt ist sehr einfach gehalten. Die Lilie ragt mit einer stattlichen Höhe von bis zu 1,50 m hoch hinaus. In Ihrer Bilderscheinung wirkt die Lilie sehr klar und strahlt etwas heilig reines aus. 

Ganz im Gegensatz dazu ist die Rose ein Symbol für die menschliche Natur, die Fünfheit – das Pentagramm. Das Pentagramm repräsentiert die menschliche Gestalt, der Mensch mit seinen vier Gliedern und dem Kopf als obere Spitze. Die Hunds-Rose spiegelt diese Fünfheit in ihrer Anordnung der nebeneinander liegenden fünf Blätter sehr gut wider. Wenn wir das Pentagramm zeichnen, so können wir das tun, ohne den Stift abzusetzen. Hierin kann man symbolisch den Kreislauf des Lebens nachempfinden.

Johannes wusste, dass für die Menschen eine Zeit des Wandels eingetreten ist. Sie waren nicht mehr mit der geistigen Welt auf natürliche Weise verbunden sondern sind in die Freiheit und Selbstbewusstheit entlassen worden, um aus eigener Kraft dann wieder ins Göttlich-Geistige zurück zu finden. Symbol der Lilie ist also die göttliche Kraft, aus welcher wir hervorgehen, die Rose ist das Symbol für die menschliche Natur. So ist es die Aufgabe an uns Menschen, uns aus dem Schoße der klaren Gestalt, dem rein geistigen und der Heiligkeit der Lilienkraft, durch das mannigfaltige Gestalterprinzip des schönen Rosenhaften aufzurichten, zu entfalten und die ICH-Kraft durch Willenskraft zu entwickeln, um das Geistige wieder in Empfang nehmen zu können. Frei nach Schiller zur Pflanzengestalt:

„Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren:
Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ist’s!“

Das Johanniskraut ist eine Pflanze mit starken Heilkräften. Die Pflanze steht im Zeitraum ab Johanni bis in den September in voller Blüte. Sie wächst am Wegesrand, an Waldrändern, auf Hügeln und in Wiesen. Das Johanniskraut hat relativ kleine, feine gelbe Blüten, und wenn man diese in den Fingern zerreibt, so sieht man einen roten Pflanzensaft. Dann weiß man sehr sicher, dass es Johanniskraut ist. 

In früheren Zeiten hat das Johanniskraut zur Sonnenwendfeier nicht fehlen dürfen. Es wurde zu Kränzen für den Kopf gebunden oder war Beigabe ins Johannifeuer. Auch in Waldorfkindergärten und -schulen findet man das Johanniskraut dann auf dem Jahreszeitentisch. In unserem Waldorfkindergarten wird das Johanniskrautöl für das tägliche Öltröpfchenritual verwendet. Es ist ein wahrer Lichtbringer für die Kinder – gerade auch zur Winterszeit. 

Johanniskraut wirkt generell bei Nervenverletzungen und nervösen Beschwerden aller Art. Ich zum Beispiel verwende das Johanniskrautöl immer, wenn meine Kinder Wachstumsschmerzen in den Gliedern haben. Es bewirkt für meine Kinder wahre Wunder. Wo sie vorher nicht schlafen konnten wegen der Schmerzen in Beinen und Armen, da schlummern sie nach einer Öleinreibung der Glieder ganz entspannt und friedlich. Wer mehr über die Heilwirkung des Johanniskraut wissen möchte, dem kann ich das Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ von Maria Treben nur wärmstens empfehlen.

Johanniskrautöl kann man sehr gut selber herstellen. Man pflückt dazu so viele Blüten des Johaniskrautes bis das Glas, welches man zum Ansetzen verwendet, bis obenhin voll, aber lose mit den Blüten gefüllt ist. Dann füllt man das Glas ganz mit Olivenöl auf und lässt es einige Wochen an einem warmen Platz stehen. Das Öl wird wunderbar rot.

Viel Freude in der Johanni-Zeit!
Maria vom Waldorfshopteam

 

Zum Autor: Maria ist ausgebildete Kinderpflegerin. Nach ihrer Ausbildung studierte sie Lehramt für berufliche Schulen mit der Fächerverbindung Gesundheits- und Pflegewissenschaften und Sozialkunde an der TU München. Anschließend absolvierte sie die Lehrerausbildung am Südbayerischen Seminar für Waldorfpädagogik. Derzeit arbeitet sie in einem Waldorfkindergarten im Landsberger Raum, schreibt regelmäßige Blogbeiträge für den Waldorfshop und ist verantwortlich für dessen YouTube-Kanal. Maria ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 6 und 11 Jahren.