„Für den Erwachsenen ist das Spiel Spaß, eine Lust, die hinzukommt zum Leben. Für das Kind ist das Spiel der ernste Inhalt des Lebens.“

Rudolf Steiner

Im Spiel der Kinder finden elementare Bildungsprozesse statt. Die Kinder eignen sich so spielend Fähigkeiten an, die sie hier auf der Welt benötigen, sie verarbeiten Erfahrungen und arbeiten sich in ihren Leib hinein. Die Nachahmung der das Kind umgebenden Menschen ist hier ungeheuer wichtig, ebenso wie das Material, der Freiraum und die Begleitung, die das Kind beim Erkunden, Erspielen der Welt erfährt.

Das Funktionsspiel

Das allererste Spiel ist das Funktionsspiel, auch Übungsspiel genannt. Die Welt wird erstmals ertastet, erfahren. Zuerst die eigenen Hände, dann die Füße, das Gesicht der Mutter, des Vaters und schließlich erste Gegenstände. Der Tastsinn und der Sehsinn sind hier aktiv und das Kind erlebt durch das Ertasten der Welt diese und sich selbst. Wie wunderbar ist es, mit zu erleben, wie freudig und lustvoll die kleinen Kinder die Welt entdecken!

Das Kind braucht dafür kein ausgefeiltes Spielzeug. Zu Beginn reicht der eigene Körper und später eignen sich die verschiedensten Gegenstände fürs Erkunden und Spielen. Sie sollten aus natürlichen und verschiedenen Materialien sein, um den Tastsinn angemessen zu fördern. Und natürlich dürfen sie keine Gefahrenquelle für das Kind darstellen. Tücher aus Wolle, Seide oder Baumwolle, Holzbausteine, aber auch ein schlichter Holzlöffel eignen sich hervorragend fürs erste Spiel. Ein Spielzeug, welches vom 1. Lebensjahr über das ganze 1. Jahrsiebt bespielbar ist, sind die wunderschönen Bögen von Grimm’s Holzspielzeug.

Das Funktionsspiel wird begleitet vom Informationsspiel, dem erkundenden Explorationsspiel. Je fortgeschrittener das Kind in seiner Bewegungsentwicklung ist, desto aktiver erkundet es seine Umgebung. Alles

wird erkundet, alles auseinander genommen –  auf der einen Seite ist die Neugier und Entdeckungsfreude so wunderschön mit anzusehen, auf der anderen kann es einen auch zur Verzweiflung bringen, wenn nichts mehr sicher ist vor dem kleinen, flinken Wesen.

Das Konstruktionsspiel


Im 2. Lebensjahr rückt dann immer stärker das Konstruktionsspiel in den Vordergrund. Im Spiel beschäftigt sich
das Kind mit der räumlichen Beziehung von Gegenständen, Dimensionen des Raumes und der Schwerkraft. Die Feinmotorik wird geschult, Handlungen immer geplanter durchgeführt, die Frustrationstoleranz gestärkt. So werden alle Schubläden und Schränke entleert, das Gestrickte aufgetrennt und alles wird überall verteilt. Es wird
eingeräumt, ausgekippt, gestapelt und umgestossen. Auch hier können Schätze aus der Natur zum Spielen einladen. Tannenzapfen in einem Korb können über lange Zeit viel Freude bringen. Als Spielzeug eignet sich alles, was man ineinander stecken, rollen, befüllen, entleeren, aufrollen usw. kann, wie z.B. oder Kistensatz von Grimm’s, Filzschnüre, Bauklötze aus Holz oder ein Ball.

Das Konstruktionsspiel zieht sich durch das gesamte 1. und auch in 2. Jahrsiebt. Immer ausgefeilter werden die
Konstruktionen. Wurden die Holzbausteine zur Genüge bespielt, können diese von den Magic Wood Konstruktion-Holz-Bausteinen und den Kapla Steinen abgelöst werden. Mit diesen ist der architektonischen Geschicklichkeit eigentlich keine Grenze mehr gesetzt.

 

Das Symbolspiel

Das Symbolspiel ist die Grundlage für das Rollenspiel. Es ist ein reines Nachahmungsspiel, bei dem das Kind um das 2. und 3. Lebensjahr herum, Tätigkeiten nachahmt, ohne in die entsprechende Rolle zu schlüpfen. Das

Kind beginnt die Puppe mit seinem Löffel zu füttern. Hier steht jedoch ganz klar, die Nutzung des Löffels durch das Kind in der Nachahmung in diesem Zusammenhang im Vordergrund. Auch hier braucht es eigentlich kein besonderes Spielzeug. Der Topf und der Kochlöffel bieten oftmals schon genügend Reize und Spielaufforderungen. Die Gegenstände, die die Menschen um das Kind her benutzen, sind meist die spannendsten. Durch das Symbolspiel verbindet sich das Kind immer stärker mit seiner Umgebung, kommt ein Stückchen weiter hier auf der Erde an. In diesem Alter ergibt auch eine erste Puppe Sinn. Diese kann eine ganz einfache Knotenpuppe aus einem Tuch sein oder aber solch ein, die unter dem Namen Waldorfpuppe bekannt ist.

 

Das Rollenspiel

Das Rollenspiel ist das, was die meisten erst als „richtiges“ Spiel benennen. Mit dem immer stärkeren Erwachen und Erstarken der Fantasiekräfte schlüpft das Kind in die Rolle der es umgebenden Menschen und spielt deren Verhaltensweisen nach. Ganz entscheidend wird hier die Sprache, die Kommunikationsfähigkeit und das Sozialverhalten geschult. Das Kind kann sich selbst in den verschiedensten Rollen erleben und ausprobieren, es kann anfänglich die Perspektive anderer Menschen einnehmen und eigene Aktivitäten planen. Das Rollenspiel nimmt daher auch für die Identitätsfindung einen entscheidenden Platz ein. Mannigfaltige Materialien und genügend Freiraum, sich auszuprobieren, unterstützen die Kinder in ihrem Spiel. Spielständer, wie sie in Waldorfkindergarten zu finden sind, können wunderbar vielfältig eingesetzt werden. Dazu ein paar Tücher, ein paar Schnüre, einige Verkleidungssachen und schon ist dem wunderschönsten Rollenspiel nichts im Wege.

Das Regelspiel

Das Regelspiel ist vor allem ein Spiel des 2. Jahrsiebt. Natürlich sind auch hier die Übergänge fließend und ein erstes Verstehen der Regeln ab dem 5. Lebensjahr möglich. Regelspiele fördern das Einfinden des Einzelnen, der Einzelnen in die Gemeinschaft. Da Regelspiele bis ins hohe Alter gespielt werden, ist dies oftmals das Spiel, bei dem sich die Generationen finden und gemeinsam ins Spielen kommen können. Und hier braucht es nun wirklich gute Spiele. „Welche Werte möchten wir mit den Spielen vermitteln?“ – ist eine Frage, die durchaus in diesem Rahmen auftauchen sollte. Im Waldorfshop habe wir eine große Auswahl an sinnigen Regelspielen, Gesellschaftsspielen für die ganze Familie. Stöbert dich gerne einmal und schaut, welche Spiele euch und eure Lieben ansprechen!

Das Bewegungsspiel

Das Bewegungsspiel findet von Geburt an statt und muss eigentlich nie aufhören. Es unterstützt den Menschen in seiner motorischen Entwicklung, schult den Bewegungssinn und den Gleichgewichtssinn. Vom ersten Drehen, übers Krabbeln und Laufenlernen, übers Gummihopse und Seilspringen bis zum Basketball, Fange und Verstecken spielen und vieles mehr, ist das Bewegungsspiel durchs gesamte Erwachsenwerden hindurch eine besonders bedeutendes und in unserer Zeit leider viel zu häufig vernachlässigtes. Auch hier braucht es eigentlich nichts außer genügend Raum und Ideen. Im Waldorfkindergarten kann man die von Emmi Pikler entworfenen Klettergeräte finden, die der Bewegungsfreiheit in geschlossenen Räumen entgegenkommt. Auch alle Reigen und Fingerspiele gehören in diese Spielform und tragen unschätzbar zur gesunden Entwicklung der Kinder bei.

 

Zeit zum Spielen

Das Wichtigste, was das Kind zum Spielen braucht, ist Zeit. Nicht ein Kurs nach dem anderen hilft dem Kind sich zu entwickeln. Hat es genügend Zeit fürs freie Spiel, steigert dies die späteren schulischen Leistungen, die Kreativität, die Widerstandsfähigkeit (Resilienz), das Selbstvertrauen und die sozialen Fähigkeiten. Dies ist in zahlreichen Studien nachgewiesenen worden. Wir können hoffen, dass die aktuelle Situation, in der wir leben, zumindest in dieser Hinsicht von Vorteil ist: die Menschen haben wieder mehr Zeit und Muse zusammen zu spielen!

Auf Instagram wird es in dieser Woche eine Themenwoche zum Spielen geben. Schaut doch gerne dort vorbei!

Auch in unserem letzten Newsletter drehte sich alles ums Thema Spielen. Wollt ihr in Zukunft keinen mehr verpassen, dann meldet euch gern für den Newsletter an.

Welche Spiele spielt ihr am liebsten? Spielt ihr mehr, seitdem wir im Corona Lockdown sind? Welch Spiele waren eure liebsten als Kind? Teilt das doch gern in den Kommentaren mit uns!

Alles Liebe wünscht euch das Team vom Waldorfshop

 

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